Ab wann Kinder vorne sitzen dürfen

Posted By on November 25, 2014

Ab wann Kinder vorne sitzen dürfen und ob es erlaubt ist, einen Kindersitz auch vorne auf dem Beifahrersitz anzubringen, löst bei vielen Eltern bzw. Familien immer wieder Diskussionen aus. Oftmals möchten Kinder ab einem bestimmten Alter nämlich viel lieber vorne sitzen auf dem Beifahrersitz, als hinten auf der Rückbank. Nach Angaben des ADAC zeigten Crashversuche, dass Kinder ohne weiteres vorne sitzen und mitfahren können. Allerdings muss man dabei wichtige Voraussetzungen beachten und gesetzliche Regelungen erfüllen. Generell muss man jedes Kind, egal ob es im Auto hinten oder vorne sitzt, entsprechend seinem Alter, Gewicht und Körpergröße richtig sichern.

 

Da jährlich über 15.000 Kinder als Mitfahrer im Auto verunglücken und ungesicherte Kinder ein siebenfach höheres Risiko haben, bei einem Unfall schwere bis tödliche Verletzungen zu erleiden als Kinder, die ordnungsgemäß mit einem Rückhalte-System gesichert sind, sollten grundsätzlich alle Eltern ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und ihre Kinder im Auto unbedingt vorschriftsmäßig sichern.

Ab wann Kinder vorne sitzen dürfen

Laut Gesetz darf ein Kind ab einer Körpergröße von 1,50 m oder mit Vollendung des 12. Lebensjahres ohne Kindersitz bzw. ohne zusätzliches Sicherungssystem vorne auf dem Beifahrersitz mitfahren. Es darf also sitzen, wo es will oder wo die Eltern es möchten.

 

Hat das Kind eine Körpergröße von 1,50 m erreicht, ist aber noch keine 12 Jahre alt, so darf es trotzdem ohne zusätzliches Rückhaltesystem vorne mitfahren. Auch im umgekehrten Fall, wenn das Kind 12 Jahre alt ist, aber noch keine Körpergröße von 1,50 m erreicht hat, ist vorne sitzen gesetzlich erlaubt – dennoch wird von Experten bei zu geringer Größe empfohlen, dass Kinder trotz des erreichten Alters eine Sitzerhöhung benützen, egal ob sie vorne oder hinten sitzen. Denn nur ab einer Körpergröße von mindestens 1,50 m verläuft der Sicherheitsgurt am Körper entlang richtig. Dadurch ist das Kind sicherer und gerät nicht unnötig in Gefahr.

Mit Kindersitz dürfen Kinder in jedem Alter vorne sitzen

 

Ob größere Kinder oder auch Kleinkinder …ist ein Kind aufgrund eines passenden Kindersitzes alters- und größenmäßig gesichert, dann besteht laut Gesetz / Straßenverkehrsordnung generell keine Einschränkung, auf welchem Sitz das Kind mit fährt. Das heißt, dass Kinder mit Kindersitz unabhängig von Alter und Größe sowohl auf den hinteren Sitzen als auch vorne auf dem Beifahrersitz mitfahren dürfen.

Fährt ein Baby / Kleinkind vorne auf dem Beifahrersitz mit, gibt es allerdings Einschränkungen und es sind folgende gesetzliche Vorschriften zu beachten:

 

Wird das Kind in einem Babysafe auf dem rechten vorderen Sitz transportiert, darf der Beifahrer-Airbag keinesfalls aktiviert sein. Lässt sich der Beifahrer-Airbag nicht deaktivieren, sind Babyschalen, die entgegen der Fahrtrichtung auf dem Beifahrersitz montiert werden tabu. Bei betriebsbereitem / aktiviertem Beifahrerairbag dürfen grundsätzlich niemals eine Babyschale oder ein Kindersitz entgegen der Fahrtrichtung montiert werden.

Größere Kinder, die im Kindersitz oder mit einer Sitzerhöhung auf dem Beifahrersitz mitfahren, können hingegen vom Schutz durch den Airbag profitieren. Allerdings sollte man den Beifahrersitz soweit wie möglich nach hinten schieben, damit das Kind nicht zu nah am Airbag sitzt und bei einem Unfall vor dem heftigen Aufprall des plötzlich aufgehenden Beifahrer-Airbags geschützt wird.

Bemerkung: Werden mitfahrende Kinder falsch oder gar nicht gesichert, so kann dies im Falle eines Verkehrsunfalls bei Versicherungen zu Haftungsproblemen führen.

Ab wann Ihre Kinder vorne sitzen dürfen ist also letztendlich Ihre Entscheidung, doch sind sich Unfall-Forscher und Experten trotz aller gesetzlichen Regelungen einig, dass für Kinder prinzipiell die Rückbank der sicherste Platz im Auto ist.

 

Originalbeitrag:

www.vorname.com/ratgeber/recht-sicherheit/ab-wann-kinder-vorne-sitzen-duerfen-5461

Er will einen Blowjob!

Posted By on November 25, 2014

Habt euch nicht so, wer genau hinhört, wird schon erraten wann ER Lust auf Mundspiele hat. Für alle, die sich nicht sicher sind, ob er wirklich einen Blowjob haben will, gibt es hier 10 unmissverständliche Signale zum Einprägen.

 

Einfach, doch so schwer aber dennoch brilliant: Der Blowjob ist die Königsklasse bei den Verführungskünsten. Doch welche Signale sendet ER, wenn er einen Blowjob will? Wir haben ein paar eindeutige Anzeichen zusammengefasst.

Diese Sex-Toys findet ihr grantiert bei euch Zuhause!

1. Während dem Sex bekommt er plötzlich diesen herzerweichenden Welpenblick. Ihr seid gerade total bei der Sache und dann schaut er dir tief in die Augen. Murmelt etwas von Rückenproblemen und sagt dann unverfänglich nebenbei: “Gibt’s nicht noch nen anderen Weg …”

2. Du hast deine Periode und er sagt etwas im Sinne von: “Na ja, wir könnten auch …” Selbst wenn du während der Tage keinen Sex haben willst, hat er natürlich trotzdem Gelüste. Oder besser gesagt: Wolllüste!

3. Er erzählt dir aus heiterem Himmel ganz ausführlich von einem Porno, den er mal gesehen hat. Warum zur Hölle kommt er jetzt auf einen Porno. Oh, ich vergaß, weil darin ein total verrückter Blowjob vorkam, den er gerne mal ausprobieren würde. Mit dir!

4. Während dem Sex sagt er: “Wenn du vielleicht deinen Mund benutzt?!” Er vermeidet natürlich tunlichst das Wort Blowjob, aber eigentlich ist das alles, was er will. Vielleicht gibt es ja die Chance, dass seine Träume wahr werden, wenn dein Mund schon mal in der Nähe seines Penises ist.

5. Er fragt, wohin er kommen soll. In seinem Kopf spielt sich bei dieser Frage der Film natürlich schon ab à la “Ich würde einen Ort vorschlagen wo es ganz schnell und sauber geht – dein Mund wäre genau das richtige. Oh, ich hoffe du sagst es ist dein Mund.”

6. Er leckt dich gerade und sagt dann “du bist dran”. Nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere … den anderen Penis.

7. Er kommt vorbei wenn du dir gerade die Schuhe bindest. Sein Schritt kommt deinem Gesicht sehr nahe und er sagt aber schnell: “Haha war nur ein Scherz”. Denkste, er nahm eine Sache nie ernster als diesen “Witz”.

8. Er ist krank und will, dass du ihm im Bett Gesellschaft leistest. “Hey Baby ich habe total Fieber, aber ich bin heiß, was können wir da machen?” Da bist du jetzt an der Reihe und über das Fieber macht er sich in diesem Moment wirklich nicht so viele Gedanken.

9. Er spricht einen Blowjob als sei sein letzter Ewigkeiten her. Über die Zeit als dein Mund das letzte Mal sein bestes Stück berührte spricht er mit Pathos und sehr viel Sehnsucht.

10. Er ist nicht ohnmächtig. Wenn er nicht im Koma ist, will er einen Blowjob.

 

Zur Internetseite:

http://www.joy.de/liebe/sex

November-Blues? Schnell nach Italien – in Triest scheint die Sonne!

Posted By on November 21, 2014

Okay, jetzt beginnt die dunkle Jahreszeit. Nichts für zarte Seelen. Was hilft? Licht und Weite. Am liebsten erst gar keine trübe Stimmung aufkommen lassen und sich von der norditalienischen Hafenstadt Triest inspirieren lassen. Wer sich in die Mitte der riesigen “Piazza dell’Unità d’Italia” stellt, braucht dem Gefühl, das Leben sei im Prinzip voller Möglichkeiten, nur Raum zu geben.

Von der Größe des Platzes her können nur St. Petersburg (mit dem grandiosen Schlossplatz) und Lissabon mithalten. Ähnlich wie die “Praça do Comercio” in Lissabon öffnet sich auch die Piazza vor dem Rathaus Triests zum Wasser hin. Triestiner treffen sich gern am “Brunnen der vier Kontinente” von 1750 (der fünfte war damals noch nicht entdeckt). Nach einem Aperitiv im traditionsreichen “Caffè Specchi” spaziert man auf der Mole Richtung Meer. Sollte jemand im Sonnenuntergang trotz gegenteiliger Bemühungen von einer gepflegten Melancholie empfangen werden, dann war das so nicht geplant – und geht hoffentlich auch wieder weg.

Ein paar Schritte entfernt liegt der nur am späten Nachmittag geöffnete Laden “Blu di Prussia” der Restauratorin Susanna Coronica. Man schiebt ein schweres, altes Segel beiseite und steht zwischen Bildern, wunderschönen Kommoden, Schiffsplanken, Kerzen, Weihnachtsschmuck und gestrickten Hasen. Ein Märchen aus tausendundeinem Holz (Via Cadorna 10).

Entspannt einschlafen? Am liebsten im “Tra i tetti” von Elisa Iust, die sich aus der Immobilienbranche verabschiedet hat, um dieses winzige B&B mit nur zwei Zimmern zu eröffnen. Blick über die Dächer genießen, zu Fuß zur Markthalle bummeln und die sympathische Gastgeberin nach weiteren schönen Adressen in der Umgebung fragen. Tipp: Das Zimmer “San Giusto” geht nach hinten raus. DZ/F ab 45 Euro (Via Matteo Renato Imbriani 10, Tel. 0039/040/260 46 56, www.bbtraitetti.com ). Alternativ bei Aldo Stock einchecken, der seit zwölf Jahren das Hotel “L’Albero Nascosto” betreibt. Grandioser Salon, leckeres Frühstück, Kunst. Am schönsten (und ruhigsten) ist Zimmer 10 unter dem Dach. DZ/F ab 115 Euro (Via Felice Venezian 18, Tel. 00 39/040/30 01 88, www.alberonascosto.it ).

 

Zuerst erschienen auf:

http://www.brigitte.de

Museen – Pierre Cardin: Ich hinterlasse eine Weltsicht

Posted By on November 20, 2014

Der Modeschöpfer Pierre Cardin (92) will mit seinem neuen Museum in Paris der Nachwelt mehr nur als seine hohe Schneiderkunst hinterlassen. „Der Besucher wird meinen Blick auf mich und die Welt entdecken“, sagte der Couturier in einem dpa-Interview in Paris.

 

In dem Modetempel mitten im Zentrum der französischen Hauptstadt werden 200 Haute-Couture-Modelle von Cardin ausgestellt, die bislang im Pariser Vorort Saint-Ouen zu sehen waren. Durch den Umzug erhofft sich der steinreiche Unternehmer mehr Besucher.

Frage: Der Modeschöpfer Pierre Cardin ist weltbekannt. Dennoch hat der Name nicht ausgereicht, um in Saint-Ouen genügend Besucher anzuziehen. Haben Sie Ihren Ruf überschätzt?

Antwort: Saint-Ouen ist ein Vorort im Norden von Paris mit vielen sozialen Problemen. Das Museum lag zudem an einer breiten Straße. Mit rund 8000 Besuchern pro Jahr kann ich kein Museum unterhalten.

Frage: Man hat Sie das „Enfant terrible“ der Mode genannt. Hat Sie das gestört oder eher geschmeichelt?

Antwort: Ich bin kein „Enfant terrible“. Ich bin ein diskreter, ehrgeiziger Mann. Ich lebe zurückgezogen und bin vor allem ein Arbeitstier.

Frage: Sie haben mit vielen neuen Formen und Materialien gespielt. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Antwort: Meine Inspirationsquellen sind meine Erfahrungen, meine Gedanken. Mich kann alles inspirieren, ein Kamin, eine Vase. Vor allem aber habe ich immer mein Innenleben nach außen projiziert.

Frage: Sie widmen sich seit mehr als 50 Jahren der Mode. Was bedeutet für Sie Mode?

Antwort: Mode ist in erster Linie sozial, sie schafft Arbeitsplätze, Geschäfte und Unternehmen. Ohne Mode gäbe es viele Arbeitslose, ohne Mode gäbe es auch nicht dieses Paris, das Sie kennen.

Frage: Aber Mode ist doch auch Kreativität?

Antwort: Natürlich, Mode ist ein Handwerk, vor allem aber eine Kunst. Ich habe schon als Kind alles Kreative und Schöne geliebt.

Frage: Und was ist Schönheit für Sie?

Antwort: Schönheit ist vor allem eine Frage der Sensibilität.

Frage: Und Eleganz?

Antwort: Eleganz ist eine Art und Weise zu denken und auszuwählen. Jemand kann mit wenig elegant sein, so wie jemand mit viel vulgär sein kann.

Frage: Mit dem Museum wollen Sie der Nachwelt Ihr Erbe hinterlassen. Wie sieht der Nachlass genau aus?

Antwort: Ich hinterlasse einen Stil, eine Persönlichkeit, vor allem aber eine Weltsicht.

Frage: Und wie sieht die aus?

Antwort: Das soll nach dem Besuch des Museums jeder für sich beurteilen. 

ZUR PERSON: Pierre Cardin wurde am 2. Juli 1922 als Pietro Costante Cardin in der Nähe von Venedig geboren. Mit seinen Eltern zog er 1944 nach Paris, wo er als Modezeichner seine Karriere im Haus Paquin begann. Er arbeitete unter anderem für Elsa Schiaparelli und Christian Dior, bevor er mit seinen eigenen Kollektionen für Aufsehen sorgte. Er gilt als Miterfinder der futuristischen Mode.

Quelle: dpa

 

Zuerst veröffentlicht auf:

http://www.amica.de/star-news

Eisernes Tor: Wo sich die Donau wild in ihrem Flussbett wälzte

Posted By on November 19, 2014

Mit dem Ober- und Unterlauf der Donau ist es wie mit zwei ganz unterschiedlichen Frauen: “Die eine ist geradlinig, präzise, beherrscht. Man weiß genau, was man von ihr zu erwarten hat”, sagt Kapitän Aleksandar Jovanović. Die andere dagegen gebärde sich wild und gefährlich, sei voller Überraschungen. “Nie kann man sich bei ihr sicher sein, wie sie reagieren wird, und verstehen kann man sie nur mit Erfahrung – und mit viel Gefühl.”

Aleksandar Jovanović kennt die Donau. Er befährt den Fluss nunmehr seit 18 Jahren – und somit genau seit der Hälfte seines Lebens. Jovanovićs große Leidenschaft gilt vor allem dem Eisernen Tor, dem Donaudurchbruch zwischen den serbischen Städtchen Golubac und Kladovo, wo sich der Fluss einen abenteuerlichen Weg durch die Karpaten gesucht hat und der heute die Grenze zwischen Serbien und Rumänien bildet.

Unter Schiffern galt diese Passage einst als lebensgefährlich. Allerdings kann Jovanović jene Zeiten, in denen sich die Donau im Eisernen Tor häufig wild in ihrem Bett wälzte, gar nicht mehr kennen. Denn schon lange bevor er geboren wurde, hat man den Fluss in Serbien gezähmt, zunächst Ende des 19. Jahrhunderts durch die Regulierung von Stromschnellen und in den vergangenen 50 Jahren durch Wasserkraftwerke und die dazugehörigen Staustufen.

Der wildromantische Abschnitt

Diese waren im Frühjahr 2014 ein wahrer Segen, als nicht enden wollende Regenfälle zu massiven Überschwemmungen im ganzen Land führten. Im Eisernen Tor aber konnte man den Wasserpegel ausgleichen, die Landschaft blieb unberührt. So ist dieser Teil der Donau nach wie vor der wildromantischste – und einer der schönsten allemal.

Über gut 100 Kilometer mäandert die Donau hier durch dicht bewaldete Bergzüge. Mal liegt sie fast behäbig da, weitet sich bis zur Breite eines Sees aus und gibt den Blick frei auf tiefgrüne Wälder. Dann wieder zwängt sie sich durch enge Schluchten mit bis zu 300 Meter hohen Felswänden. An ihrer schmalsten Stelle ist sie gerade mal 150 Meter breit, dafür aber unheimliche 90 Meter tief.

Die Faszination dieser Naturgewalt erlebt man am besten vom Boot aus. Aleksandar Jovanović, der in den Wintermonaten große Tanker die Donau hinauf- und hinuntersteuert, hat vor fünf Jahren das Ausflugsboot “Stevanske livade” gekauft und restauriert. Mit ihm stellt er im Sommer und Herbst Touristen seine Donau rund um Donji Milanovac vor, einem Städtchen im Zentrum des Eisernen Tors.

Höhepunkt jeder Donaureise

Und da der Fluss auf serbischer Seite vom Nationalpark Djerdap gesäumt wird, führt eine Bootstour mitten hinein in unberührte Wildnis. Als “Höhepunkt jeder Donaureise” kündigt unsere Reiseleiterin auf dem Boot die berühmte Tabula Traiana an. Einige eifrige Reisende mit schlauen Büchern in der Hand suchen mit den Augen schon das Ufer ab, als Jovanović auf einen Felsen zeigt.

Manch einer schaut dann recht enttäuscht, als im grauen Gestein eine helle, drei mal zwei Meter große Marmortafel sichtbar wird, die sich farblich kaum abhebt. Das also ist die berühmte Trajanstafel?

Mit einem Adler und Delfinen huldigt sie dem römischen Kaiser Trajan, der hier schon im ersten Jahrhundert eine Straße anlegen ließ – so spektakulär auf Holzbalken entlang der Felswand, dass der Bau auf der Trajansäule in Rom verewigt wurde.

Und als im Zuge der Bauarbeiten für das Wasserkraftwerk Djerdap das Tal 1972 geflutet werden musste, versetzte man die Inschrift samt Felsen ein Stück höher. Eindrucksvoll ist ihr neuer Platz auf jeden Fall immer noch: Ausschließlich mit dem Schiff kann man sich dem Monument nähern. Die Rumänen stellten dem antiken römischen Kunstwerk vor etwa zehn Jahren eine moderne 40 Meter hohe Statue gegenüber.

8000 Jahre zurück in die Vergangenheit

Auf ihrer Uferseite ließen sie das Konterfei des Dakerkönigs Decebalus in eine Felswand meißeln – auch wenn dieser im Dakerkrieg 106 n. Chr. gegen Trajan verloren hatte. In Donji Milanovac, dem serbischen Städtchen im Zentrum des Eisernen Tors, entlässt der Kapitän seine Passagiere. Von hier aus geht es auf der Landstraße innerhalb weniger Minuten um 8000 Jahre zurück in die Vergangenheit.

Am Donauufer entdeckten Forscher in den 60er-Jahren die Reste der steinzeitlichen Siedlung Lepenski Vir, die mehr als 2000 Jahre lang bewohnt gewesen sein soll. Denn ein besonderes Mikroklima bot den Menschen hier ideale Lebensbedingungen mit nicht zu heißen Sommern und recht milden Wintern. Außerdem waren die reichen Fischgründe der Donau eine ergiebige und nie versiegende Nahrungsquelle.

Da der Spiegel der Donau für das nahe Wasserkraftwerk angehoben werden musste, hat man auch die archäologische Stelle 30 Meter höhergelegt und mit einem Glasbau ummantelt. Zu sehen sind die Grundrisse von Häusern, Gräber aus verschiedenen Epochen sowie Skulpturen aus Sandstein. Welch zentralen Stellenwert die Donau im Leben einnahm, zeigen Figuren menschlicher Wesen mit Fischkopf.

Luchse, Wildkatzen und zurzeit 20 bis 30 Wölfe

Einige Besucher umkreisen fasziniert zwei Hologramme, die mögliche Hausformen aus der Steinzeit darstellen, andere nutzen einen Bildschirm, um virtuell durch steinzeitliche Wohnungen zu streifen. Die Siedlung Lepenski Vir liegt mitten im Nationalpark Djerdap, der die Donau auf serbischer Seite durch das gesamte Eiserne Tor begleitet.

 

Das rund 640 Quadratkilometer große Naturparadies beheimatet eine Artenvielfalt, von der andere Nationalparks in Europa nur träumen können. Hier fühlen sich Adler, Waldschildkröten, Luchse, Wildkatzen und zurzeit auch 20 bis 30 Wölfe wohl. Noch ist die Natur im Nationalpark Djerdap völlig unberührt, und auch für die Zukunft setzen die Verantwortlichen auf strikte Besucherlenkung.

So ist es tatsächlich verboten, sich ohne offizielle Begleitung im Gebiet mit der Schutzstufe 1 aufzuhalten. Trotzdem soll der Besuch für Wanderer ganz unbürokratisch ablaufen. Am besten meldet man sich ein, zwei Tage vorher im Besucherzentrum in Donji Milanovac, schaut sich dort den großartigen Einführungsfilm zum Nationalpark an und bucht für rund zehn Euro einen Guide.

Mit Herzklopfen und auf eigene Gefahr

Die Wanderungen starten meist mitten im Wald. Treffpunkt ist das 2014 neu eröffnete Naturschutzzentrum, das in einer kleinen Ausstellung die Flora und Fauna der Region zeigt. Auf schmalem Pfad geht es durch Wälder und Blumenwiesen mit Orchideen und Glockenblumen. Der Duft von Thymian und Minze steigt in die Nase, das Zirpen der unzähligen Insekten und Vögel klingt in den Ohren.

Nur eine Viertelstunde dauert es, bis die Wanderer zu einem spektakulären Aussichtspunkt über der Donau gelangen. Wer den besten Blick auf den Strom haben möchte, kraxelt weiter über spitze Felsen bis an den Abgrund – mit Herzklopfen und auf eigene Gefahr. Für weniger wagemutige Abenteurer ist zum Glück bereits eine sichere Plattform geplant.

Nicht weit vom Städtchen Donji Milanovac hat sich ein serbischer Künstler sein kleines Donauparadies erschaffen: Živorad Stefanović empfängt seine Gäste ohne Schuhe, dafür mit kräftigem Händedruck und einem hausgemachten Honigschnaps. “Ich bin Žika, der Barfüßige”, stellt er sich vor, “und das hier ist mein Selbstporträt.” Der Mann grinst und hält eine kleine Skulptur in die Luft. Es ist ein Fuß aus Holz.

Stefanović wuchs ganz in der Nähe seines heutigen Domizils auf und geht, wie er selbst erzählt, seit er fünf Jahre alt ist nur noch barfuß. Mit seinem Anwesen Kapetan Mišin breg (Hügel von Kapitän Miša) hat er sich einen Traum erfüllt. Wie ein Adlerhorst liegt es auf einem Bergrücken und eröffnet einen berauschenden Blick über eine Biegung der Donau. Zwischen Froschteich, Pflaumenbäumen und lauschigen Lauben bevölkern etwa 400 Holzskulpturen den Garten.

“Zum Teil sind sie durch die Skulpturen der Steinzeitsiedlung Lepenski Vir beeinflusst”, sagt der Künstler und verrät, dass er die menschlichen Wesen mit Fischkopf gern um Inspiration bittet. Nach Voranmeldung können Kunstsinnige und Ruhesuchende in Živorad Stefanovićs Gesamtkunstwerk aus Open-Air-Galerie, Naturreservat und Öko-Lodge ausspannen.

Über der Donau Ruhe und Freunde gefunden

Gäste wohnen in einfachen Zimmern, und zum Mittagessen schöpft Suzana, die Tochter des Hauses, Hühnersuppe aus einem schweren Tonkrug. Danach gibt es vom bunt gedeckten Tisch frittierte Brennnesseln, hausgemachten Ziegenkäse, Grillfleisch und gefüllte Teigtaschen – alles ökologisch produziert, wie Stefanović betont. Dann setzt er sich mit einem Glas Wein zu seinen Besuchern in die ziegelgedeckte Laube am Rand des Hügels.

Unten wälzt sich träge die Donau in ihrem Bett, und zur Abenddämmerung zwitschert und zirpt es in den Bäumen. “Hier oben habe ich meine Ruhe gefunden und bin ein extrem reicher Mensch geworden”, sagt Stefanović. “Sie müssen wissen, dass ich Reichtum nicht nach Geld einschätze, sondern danach, wie viele Freunde jemand hat.” Und er habe hier oben, hoch über der Donau, viele neue Freunde gefunden.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von der Nationalen Tourismus Organisation Serbiens. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

 

Webseite:

 

http://www.welt.de/reise/nah/

So bekommt Ihr Kind gute Noten

Posted By on October 21, 2014

War die Fünf ein Ausrutscher? Hat das Kind Lücken, die es allein nicht füllen kann? Braucht es Nachhilfe? Die meisten Eltern stehen irgendwann vor solchen Fragen. Wie Ihr Kind wieder gute Noten bekommt, erfahren Sie hier.

 

Wenn Ihr Kind Nachhilfe braucht …

Die wenigsten Kinder erfreut die Aussicht auf Nachhilfe. Für sie bedeutet sie zunächst nur eines: weniger Freizeit. Andererseits gibt es aber auch Kinder, die ihren Wunsch nach Unterstützung signalisieren. So können Sie die versteckte Botschaft entschlüsseln:

  • “Wundert euch nicht, wenn ich dieses Mal sitzen bleibe!” bedeutet: “Meine Versetzung ist gefährdet, und ich habe Angst, es alleine nicht zu schaffen. Ich brauche dringend gute Noten!”
  • “Ich hasse Bio!” bedeutet: “Da habe ich große Probleme.”
  • “Grammatik pauken ist vollkommen sinnlos!“ bedeutet: “Ich habe bereits alleine versucht,den Stoff nachzuholen – aber ohne Erfolg.”
  • “Der Maier ist ein Idiot!” bedeutet:”Ich verstehe die Erklärungen meines Lehrers nicht.”
  • So helfen Sie Ihrem Kind, die richtige Nachhilfe zu finden

Wenn Sie und Ihr Kind sich für Nachhilfe entschieden haben, werden Sie auf zahlreiche Angebote stoßen. Die Frage ist, wer hilft Ihrem Kind am besten, wieder gute Noten zu schreiben: der Überflieger aus der gleichen Jahrgangsstufe, die Experten der Nachhilfe-Institute oder der pensionierte Lehrer?

 

Diese Checkliste hilft bei der Entscheidung:

  • Die “Chemie” zwischen Schüler und Lehrer muss stimmen. Vereinbaren Sie deshalb eine Probestunde. Für Schüler ab Klasse 8 eignen sich Oberstufenschüler und Studenten: Sie haben das Wissen, zählen aber für die Jugendlichen noch nicht zu jenen Erwachsenen, mit denen sie am liebsten nichts zu tun haben wollen.
  • Nachhilfelehrer brauchen pädagogisches Geschick. Schüler, die viel nachzuholen haben, sind verunsichert, nicht selten richtig blockiert. Damit Nachhilfe gelingen kann, muss erst einmal Vertrauen aufgebaut werden. Erst dann schöpft das Kind wieder Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten, traut sich nachzufragen oder Wissenslücken zuzugeben und wird so bereit, neuen Stoff aufzunehmen.
  • Nachhilfe ist keine Hausaufgabenbetreuung. Sie sollte deshalb nur in Ausnahmefällen geschehen. Kreisen Sie mit Hilfe des Fachlehrers die Probleme genau ein: Welche Stoffgebiete werden nicht beherrscht? Welche Vorkenntnisse fehlen? Was kann und muss sich Ihr Kind selbst erarbeiten (zum Beispiel Vokabeln), wo braucht es Unterstützung? Im Idealfall ist der Nachhilfelehrer bei diesem Gespräch dabei. So weiß er genau, worum es geht, und kann die Lernmethoden mit dem Fachlehrer abstimmen.
  • Klotzen, nicht kleckern! Erfolgreich ist eine Art Nachhilfekur, etwa acht Wochen täglich zwei Stunden. Auf diese Weise lassen sich Lücken schnell füllen und – ganz wichtig! – der Schüler wird bald zurück in die Selbständigkeit entlassen. Nachhilfe als Dauereinrichtung empfiehlt sich nur in einem Fall: Das Kind hat in einem Fach eine Begabungsschwäche, ist sonst aber einwandfrei für die Schulart geeignet.
  • Noch ein paar Tipps in Sachen Nachhilfe:

Gut zu wissen: Eltern eignen sich nicht als Nachhilfelehrer. Ihnen mangelt es an Zeit, an gefühlsmäßiger Distanz, manchmal am Wissen und fast immer an der Kenntnis der aktuellen Unterrichtsmethoden.

Wichtiger Hinweis: Nachhilfe ist keine Lerntherapie. Bei Kindern mit einer Teilleistungsstörung, wie einer Lese-, Schreiboder Rechenschwäche oder auch bei einer Aufmerksamkeitsstörung wird sie keine echten Verbesserungen bringen.

Die Entwarnung: Wenn gute Noten erst einmal ausbleiben, muss das besprochen werden – aber es ist nicht automatisch ein Hinweis darauf, dass sich ein Kind nicht aus eigener Kraft verbessern könnte. Nur dann ist Nachhilfe richtig und wichtig!

 

Quelle:

http://www.eltern.de

Pannen in den Ferien: Na, wie war der Urlaub?

Posted By on October 18, 2014

Regen, Mücken und Sonnenbrand. Weinende Kinder, streitende Freunde und die Unmöglichkeit, Zugtickets zu ergattern. Wer von den Ferien immer nur schwärmt, lügt oder hat Glück gehabt. SZ-Autoren und ihre schlimmsten Urlaubspannen.

Spaßterror

Ein Ferienhotel auf der kroatischen Insel Mali Lošinj, ein Stapel Bücher, es ist die herbeigesehnte oder auch nur herbeigeredete Entspannung. Doch irgendwann siegt die Versuchung: Die zehnjährigen Mädchen wollen auf die Reifen, die übers Wasser fliegen, was lustig aussieht, wenn man am Strand liegt. Der Kapitän des Motorboots deutet mahnend auf die Schwimmwesten; zwei gefallsüchtige Väter und zwei ahnungslose Töchter nehmen nach einer kurzen Instruktion (“alles easy”) ihre Plätze ein.

Und los geht die Fahrt mit dem Vierspänner, eher gemächlich, bis der nette Kroate, animiert vom Seegang, mal so richtig Gas gibt. In den Gesichtern der Mädchen, die gerade noch voller Begeisterung waren, spiegelt sich jetzt das blanke Entsetzen, wobei der Bootsführer das Kreischen als Zustimmung wertet, noch einen Gang zulegt und Wellenklatschen spielt. Eine Tochter jault fast so laut auf wie der Motor, das Gesicht voller Salzwasser und Tränen. Wie lautete doch der Kommentar der fränkischen Reisegruppe, die vor uns dran war? “Dodaaal abardig.”

Regnerischer Sommer in Italien Hallo! Sonne?

Je kürzer der Urlaub wird, umso perfekter muss er sein. Doch wenn es regnet, ist nichts locker. Nicht der Sand. Nicht die Leute. Besuch auf einem der größten Campingplätze der Adria – in einem Sommer, wie sie ihn dort noch nicht erlebt haben.

Nach endlosen 15 Minuten hat der Kapitän ein Einsehen und steuert den Strand an. Ein Vater hat blutige Ellbogen, weil er sich mit der Wucht eines Akkuschraubers in den Haltegriff des Gummitiers hineinmanifestiert hatte. Der andere versucht vergeblich, seine wimmernde Tochter zu besänftigen: War doch nur ein Spaß! Oh ja, unvergesslich.

Christian Mayer

Autopanne

Das Wohnmobil war fabrikneu. Wir hatten es für drei Wochen ausgeliehen, um damit den Rhein entlangzufahren, von der Quelle zur Mündung. So ein Haus auf Rädern ist ja eine prima Sache – solange man damit nicht einparken, rückwärtsfahren oder wenden muss. Beim ersten Rangierversuch stand leider ein Felsen im Weg. Beule Nummer eins. Das seitliche Einparken lief auch nicht so glatt. Beule Nummer zwei.

Die Allee in Düsseldorf war schön, aber die Äste der Platanen hingen dann doch tiefer als erwartet. Beule Nummer drei. Nach drei Wochen war ich so nervös, dass ich am liebsten nicht mehr anhalten wollte, vor lauter Angst vor der Beulenpest. Deshalb lehnte ich die Bitte meiner Kinder, auf dem Weg zur Rückgabestation bei McDonald’s zu halten, hartherzig ab. Wie sollte ich denn da bitte parken mit so einem Monster? Darauf der Vorschlag meiner schlauen Tochter: “Fahr doch durch den Drive-through!” Spitzenidee. Allerdings stellten wir fest, dass die Höhenbegrenzung ein paar Zentimeter unter der Gesamthöhe unseres Fahrzeugs lag – und zwar genau in dem Moment, als das Wohnmobil scheußlich knirschte und dann feststeckte.

Sommerurlaub in aller Welt Weg hier!

Die peinliche Szene, in der ich auf das Dach klettere und das abgerissene McDonalds-Schild vom Auto zerre, ist auf vielen Handy-Videos zu sehen, denn der Unfallort war schnell von mehreren Schulklassen umringt, die gerade aus ihren Bussen ausgestiegen waren. Beulen Nummer vier und fünf. Der Schadensbericht, den ich bei der Versicherung ablieferte, wird dort wahrscheinlich bei jedem bunten Abend zur Erheiterung vorgelesen.

Titus Arnu

Bettwanzen

Der Biss der Bettwanze wirkt spät. Erst Stunden nach dem Aufstehen fängt es an zu kribbeln, anfangs nur ein bisschen, am Ende würde man sich am liebsten die Haut abziehen. Die meisten Urlauber haben nur von den Biestern gehört, aber fast jeder Pilger lernt sie irgendwann kennen. Ich habe in der Meseta das Vergnügen, dem kargen spanischen Hochland, das den Jakobspilger kurz nach Burgos erwartet.

Die Übernachtung im Refugio kostet wie immer nur ein paar Euro, ist angesichts der muffigen Laken und der Schnarchorgie der Bettnachbarn aber auch kein wirkliches Schnäppchen. Am nächsten Tag marschiere ich im Morgengrauen mit zwei dicken Kolumbianern los. Bei unserer ersten Kaffeepause setzt das Kribbeln ein. Kurz darauf fange ich an, mich zu kratzen. Gegen Mittag erklären die Dicken, dass sie jetzt lieber allein weiterlaufen würden.

Urlaubsziele der Deutschen Ballermann und Ballerfrau

Endlich Urlaub! Aber wohin? Fernreisen sind zwar ein beliebtes Partygespräch, doch im Normalfall heißt es für Deutsche eher “Malle” statt Malediven. Die Badewanne Mittelmeer lockt, auch in Krisenländern füllen sich die Hotels wieder.

Am Abend haben sich die aufgekratzten Stellen an Armen und Beinen in Verbindung mit der Sonnenmilch in dicke Pusteln verwandelt, aus denen abwechselnd Blut und eine wässrige Flüssigkeit laufen. Der Juckreiz: kaum auszuhalten. Er begleitet mich weiter. Bis Santiago de Compostela, etwa 500 Kilometer lang. Vielleicht kommen auch ständig neue Bisse dazu, keine Ahnung. Der Jakobsweg, heißt es, gibt jedem Pilger das, was er verdient.

Marc Felix Serrao

Unfall

Die Berliner Familie im Nachtzug nach Zürich, unterwegs in die Schweizer Alpen. Die Kinder schlafen, der siebenjährige Sohn mit seinem Panini-Album im Arm, es ist Fußballweltmeisterschaft. Plötzlich, der Zug steht gerade, ertönt ein Knall, gefolgt von Geschrei. Der Junge ist aus dem obersten Bett des Liegewagens gestürzt, Blut läuft vom Kopf in sein Deutschland-Trikot. Der Schaffner kommt, dann drei Sanitäter mit einer Trage.

Im Halbschlaf rafft die Familie ihr Gepäck zusammen, um die Weiterfahrt im Rettungswagen anzutreten. Für die Frage, wo man eigentlich sei, reicht es noch. Auf dem Bahnhof Mannheim, was sich später als die Unfallursache herausstellen wird. Dort rangiert der Nachtzug, was wohl mit einer Wucht geschah, dass es den Jungen aus dem Bett katapultierte. Statt auf die Bergstation geht es für die Berliner Familie nun stationär ins Krankenhaus. Die Diagnose ist schnell gestellt, Verdacht auf Gehirnerschütterung.

Die Ärztin sagt, dass der Junge eine Woche nicht in die Sonne und keinen Sport machen dürfe. Und Fernsehen sei bei Gehirnerschütterung kontraindiziert. Es ist 3.41 Uhr morgens im Universitätsklinikum Mannheim, der erste Ferientag, der Tag des Finales der Fußballweltmeisterschaft. Und noch bevor die Ärztin die Worte “absolutes Fernsehverbot” fertig ausgesprochen hat und das Geheul eines siebenjährigen Jungen das Krankenzimmer erfüllt, ist klar, dass die Therapie des Problems das noch viel größere Problem sein würde.

Verena Mayer

Ticketprobleme

Wir betreten die Schalterhalle des Lissaboner Bahnhofs Santa Apolónia gegen 19 Uhr mit der Absicht, Fahrkarten für einen Nachtzug zu kaufen, der um 21.18 Uhr ins französische Hendaye fährt. Über das Strebertum, so zeitig da zu sein, hat sich ein Mitreisender da schon weidlich lustig gemacht. Sechs Schalter haben geöffnet, vier für “Inland”, zwei für “Ausland”.

Postkarten aus dem Urlaub “Bunt und kitschig muss es sein”

Boris Hesse bringt die Hälfte aller Ansichtskarten heraus, die in Deutschland gekauft werden. Ein Gespräch darüber, weshalb amerikanische Touristen nicht ans Meer fahren, Japaner den Rhein lieben und Angela Merkel auf Postkarten nicht laufen würde. SZ-Magazin

Vor den Auslandsschaltern drängen sich etwa achtzig Leute, viele Interrailer. Vor den Inlandsschaltern drängt sich: niemand. Die einsamen Mitarbeiter sagen höflich: “Für Auslandskarten wenden Sie sich bitte an unsere Auslandsschalter.” Im Verlauf der nächsten Stunde gelingt es den beiden Fachverkäufern für Schienenfernreisen, locker elf, zwölf Kunden zu bedienen. Weil es so gut vorangeht, macht um 20 Uhr einer der Auslandsschalter zu.

Um 21.17 Uhr flehen Dutzende Deutsche, Engländer und Italiener den Schaffner des Sud-Expresso an, doch bitte auch ohne Ticket einsteigen zu dürfen. Der Mann erklärt sachlich, aber bestimmt, dass man in seinem Land fürs Zugfahren Fahrkarten brauche. Nach einem Regenguss ist der Abend in Lissabon dann angenehm mild und der gegrillte Hammel ausgezeichnet.

Roman Deininger

Gruppenkoller

In dem Streit ging es oberflächlich darum, dass die eine Mutter eine Tierschützermutter ist und der Vater einer anderen Familie findet, dass Tiere vor allem erst mal stinken. Unter der Oberfläche ging es darum, dass drei Elternpaare und acht Kinder seit zehn Tagen in einem Haus am Strand festsaßen, Italien, Regen, dünne Wände. Nachts Mücken, wimmernde Babys, irgendwelche Tiere unterm Dach. Warum noch mal macht man das mit dem Verreisen?

Am letzten Abend kann man jedenfalls immerhin draußen essen. Die Kinder toben im vermatschten Garten, überhaupt, die Kinder lieben sich in diesem Urlaub, die können das ja mit der Enge. Die Eltern trinken Wein und schweigen, zwischendurch atmen sie tief, laut durch. Dann schleicht ein Tier in der Dunkelheit herum. Marder? Katze? Was Größeres? Die eine Mutter stellt eilig einen Speiseresteteller für das Tier zusammen, während der andere Vater aufspringt, in die Küche rennt und mit der Riesenwasserpumpgun bewaffnet brüllend in den Garten stürmt. “Jetzt hab ich dich! Gib Ruhe, du Stück!”, schreit der Vater und spritzt wild um sich. “Tiermörder! Du bist ein Tiermörder!”, schreit die Mutter und springt auf.

Der Streit eskaliert dann im Laufe des Abends über mehrere Stufen. Es wird gestritten, wie unter Erwachsenen im Grunde überhaupt nicht mehr gestritten wird. Laut, gemein, persönlich, grundsätzlich, nachtragend, alle durcheinander. Alle schlafen tief in dieser Nacht. Am nächsten Tag fahren sie aufgeregt nach Haus. Im Auto fragen die Kinder, ob sie nun nie mehr mit ihren Freunden in den Urlaub fahren werden.

Dieses Jahr waren wir alle zusammen im Allgäu. Vor dem Haus grasten Kühe. Es war viel zu kalt für Wasserpumpguns. Aber es war wunderschön.

Vera Schroeder

Miese Küche

Es sollte so richtig die große Cucina Italiana werden – zwei Wochen Süditalien, ein tolles Haus, vier begeisterte Esser und jeden Tag auf den Markt! Deshalb wählten wir den Erntemonat September als Reisetermin ins Cilento, suchten schon ein Jahr vorher das perfekte Ferienhaus. Nach Wochen abendlichen Abwägens war die Wahl auf ein großes Haus am Hang gefallen, teuer, aber freie Sicht aufs Meer und drei Terrassen mit Zitronenbäumen und Rosmarinrabatten. Wir packten viele Kochbücher und wenige Klamotten ein, schließlich hatte es noch 27 Grad, und fuhren dann sehr lange in eine Richtung, nicht ohne dabei schon den ein oder anderen Marktstand zu plündern.

Schlechte Aussichten, tolle Leserfotos Hotel Tristesse

Das Haus war prächtig, die Terrasse groß, die Zitronenbäume vorhanden, das war aber auch das einzige kulinarische Entgegenkommen. Die Küche, die auf den Fotos großzügig gewirkt hatte, war klein und vollgestellt, der Gasherd funktionierte nur zur Hälfte, es gab keine Schneidbretter und, unfassbar, nicht mal richtige Gläser. Dem Grill fehlte der Rost, dafür rostete der Backofen, und das Wasser im Spülbecken lief nicht ab. Darüber hing ein Schild, das auf Deutsch die Hausregel ausgab: “Bitte werfen Sie den Mull in den Ort”.

Da standen wir, mit Kisten voll Tomaten und einer tropfenden Tüte mit frischen Rotbarben und hatten nicht mal ein Schneidebrett. Eine abgebrochene Türklinke, einen Skorpion unterm Sofa und zwei Nächte in einem kollabierenden Bett später wussten wir, wie mit der neuen Situation umzugehen war: Wir gingen einfach nicht mehr ins Haus. Blieben von morgens bis abends im Garten und zogen um zehn Uhr nachts runter in die Restaurants. Nächstes Mal reicht wieder ein Zelt!

Max Scharnigg

 

Link zum Artikel:

www.sueddeutsche.de/reise

Strom aus der Heim-Energie-Anlage – Lohnt sich auch für Sie ein Mini-Windrad im Garten?

Posted By on October 16, 2014

Wer keinen Aufwand scheut, den eigenen Strom unabhängig vom Versorger zu produzieren, kann sich eine Kleinwindanlage aufs Dach oder in den Garten setzen. Am besten in Absprache mit den Nachbarn – denn Windräder sind laut. Wann lohnt sich das Ganze?

Kleinwindenergieanlagen (KWEA) sind eine Option für Wohngebiete, die eher außerstädtisch liegen – und entsprechend Platz für ein rotierendes Windrad bieten. Sie lassen sich entweder direkt auf dem Dach oder auf einem Mast neben dem Haus aufstellen. Dieser kann in der Höhe variieren, darf jedoch die 50-Meter-Marke nicht überschreiten.

Das kann die Kleinwindenergieanlage: Bis zu einer Höhe von zehn Metern ist sie in der Regel genehmigungsfrei. Auf Grund der entstehenden Geräusche und Vibrationen ist es dennoch empfehlenswert, die jeweilige Landesbauordnung genau zu studieren und sich in jedem Fall mit Nachbarn und Behörden abzustimmen.

 

Unauffällig geht anders

Bis zu 1000 Kilowatt Strom kann eine Kleinwindanlage an einem guten Standort im Binnenland produzieren, für den privaten Gebrauch reicht schon ein Modell mit bis zu fünf Kilowatt Nennleistung. Der Rotordurchmesser solch eines Windrads beträgt zwischen dreieinhalb und sieben Metern.

Die Kosten liegen bei circa 3000 Euro pro Kilowatt – eine Kleinwindkraftanlage mit einer Stromleistung von fünf Kilowatt kostet also rund 15.000 Euro. Eine teure Anschaffung die nur rentabel ist, wenn der erzeugte Strom auch wirklich selber verbraucht wird: Was über bleibt, wird an den Netzbetreiber veräußert – doch das rechnet sich kaum: Die Einspeisevergütung für Strom aus Windenergieanlagen liegt nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) unter neun Cent pro Kilowattstunde. Wird der Windstrom jedoch selber genutzt, spart man – entsprechend des Stromtarifs – zwischen 25 und 39 Cent pro Kilowattstunde ein.

Starker Wind treibt Stromrechnung nach unten

Das spricht dagegen: Neben der Frage der Wirtschaftlichkeit ist Wind eine eher unbeständige Energiequelle. Ausschlaggebend für die Leistung einer Kleinwindenergieanlage sind die genauen Standortbedingungen: Um ordentliche Strombeträge zu erzielen, ist eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von rund vier Metern pro Sekunde nötig. Diese ist besonders in den niedrigen Höhen Deutschlands selten zu finden. Es gilt: Je höher der Mast, desto eher treibt ein starker Wind die Stromrechnung nach unten.

Ein weiterer Negativpunkt sind die fehlenden einheitlichen Qualitätsstandards. Unter einer Vielzahl verschiedener Anbieter gibt es nur wenige mit zertifizierten Anlagen. Anders als die Solarenergie ist Windkraft noch nicht vollständig in den Markt eingetreten.

 

Webseite:

http://www.focus.de/immobilien

Fühlen Sie sich ausgenutzt in Ihrer Beziehung?

Posted By on October 14, 2014

Wir Frauen können uns beglückwünschen, dass wir jetzt leben und nicht früher. Früher, als Paarbeziehungen reine Zweckgemeinschaften waren. Als nicht die Liebe bei der Wahl des Gefährten die wichtigste Rolle spielte, sondern die Fragen, wie viel teures Geschirr in der Aussteuerkiste steckte und ob der Zukünftige einen großen oder einen kleinen Hof erben würde. Wir dagegen können es uns leisten, romantisch zu sein, einfach unserem Herzen zu folgen. Aber stimmt das wirklich?

Klar, Beziehungen sind heute anders als früher, aber unser Alltag ist keineswegs frei vom Zweckdenken in der Liebe. Ja, wir taxieren unsere Beziehungen vielleicht sogar noch kühler als unsere Vorfahren. Die Soziologin Eva Illouz nennt es „emotionalen Kapitalismus“. Das bedeutet: Wir gestalten unsere Partnerschaft immer mehr nach ökonomischen und politischen Verhandlungsmodellen. Schauen genau darauf, dass sie im Vergleich zum Alleinsein einen Mehrwert für uns bringt.

„Wer investiert wie viel?“ ist der Grundsound der Liebe. Wir führen geistige Strichlisten darüber, wer wie oft wessen Socken wäscht und die Kinder abholt. Wie viel jeder in seine Karriere buttert. Wir registrieren genau, wer wie oft „Ich liebe dich“ sagt und wie lange der Blowjob im Vergleich zum Cunnilingus dauert. Das klingt brutal. Aber wir haben es so gelernt. Weil wir in einer Kultur leben, in der wir aufgefordert sind, immer und überall unseren Nutzen zu maximieren. Natürlich wirkt sich diese Denkart auch auf unsere Beziehungen aus. Die Frage ist bloß: Was macht das mit uns? Lohnen sich Liebesbeziehungen, nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung betrachtet, überhaupt noch? Eigentlich brauchen wir ja keinen festen Partner mehr. Er ist weder zum Kinderkriegen zwingend notwendig noch als finanzielle Stütze unerlässlich. Könnten wir romantische Liebe und Sex also nicht einfach an vorübergehende Partner outsourcen und ansonsten unsere Ruhe vor dem ja doch auch immer wieder anstrengenden Beziehungsalltag haben?

Ideal wären eigentlich vier Partner

Die amerikanische Autorin Sandra Tsing-Loh kam in einem in den USA viel beachteten Essay zu genau dieser Bilanz: Sie beschrieb darin das Phänomen von Karrierefrauen, die, ökonomisch unabhängig von ihren Männern, diese nur noch als Störfaktor sähen, sobald sich der Schleier der Verliebtheit verzogen habe. Ideal, schlägt Tsing-Loh satirisch vor, seien für eine solche Frau nicht einer, sondern vier Partner: Mr. X als Mann für die anstrengende Alltagsverwaltung und vielleicht noch als Kindsvater, Mr. Y als romantischer Lover, der tanzen kann und Chardonnay anbietet, Mr. Z als eine Art Hausmeister, der alles repariert, und Mr. Q als Praktikant, für den Rest.

Sieht so die Zukunft aus? Entwickeln wir uns allmählich allesamt zu Beziehungsunternehmern, die ihren Marktwert im Internet angeben und Gefühle kalkuliert investieren?

Nicht unbedingt. Zumindest dann nicht, wenn uns neben ökonomischen und praktischen Erwägungen auch noch das eigene Glück am Herzen liegt. Das ahnt auch Tsing-Loh, die in ihrem Essay auf eine Langzeitstudie der renommierten Wharton School of Business verweist, die festgestellt hat, dass Frauen heute im Vergleich zu früher eindeutig unglücklicher sind – aller gesellschaftlichen Fortschritte zum Trotz. Wer daraus folgert, dass es Frauen in den 50ern besser ging, weil die Rolle der Hausfrau eben besser zu ihnen passt, denkt jedoch zu oberflächlich. Man kann aus der Studie auch einen anderen Schluss ziehen: dass eine Lebenswelt, die bis ins Privatleben und in Liebesbeziehungen hinein vom Prinzip der Profitmaximierung durchdrungen ist, niemanden wirklich glücklich macht.

Vielleicht ist es also eine im wahrsten Sinne unglückliche Entwicklung, wenn wir in unseren Beziehungen immer mehr aufrechnen und verhandeln. Vielleicht müssten wir öfter mal wirklich unserem Herzen folgen. Die Liebe an sich, das wird in Zeiten des Individualismus und der Selbstoptimierung gern vergessen, ist ein Gefühl, das Einheit will und skandalöserweise gar kein Interesse an persönlichen Profiten hat. Gegenseitiges Aufrechnen ist Verstandessache, Liebe aber ist irrational.

Sind wir zu hart geworden?

Wenn wir besonders tief lieben, das hat jeder schon einmal erlebt, drückt sich das sogar in einem unwiderstehlichen Drang zum Geben aus. Das steht scheinbar im Widerspruch zu dem, was die Frauen unserer Generation von Kindheit an gelernt haben: dass wir immer darauf pochen müssen, nie zu kurz zu kommen, schon gar nicht „aus Liebe“ zu einem Mann.

Keine Frage, es gibt Momente in Beziehungen, in denen es dumm ist, einfach aus Zuneigung zu handeln: wenn es um Dinge geht, die langwierige finanzielle Konsequenzen haben, zum Beispiel. Aber manchmal scheint es, als wären wir zu hart geworden, als hätten wir vergessen, dass es Momente gibt, in denen ein Stück Selbstaufgabe möglich und sogar tief befriedigend ist. Mal ehrlich: Die schönsten Momente in Beziehungen sind nicht diejenigen, in denen man weiß, dass man weder zu viel noch zu wenig gegeben hat, in denen also ein perfektes Gleichgewicht herrscht. Sondern es sind genau die Momente, in denen einer der Partner mehr gibt, als er eigentlich müsste.

Wenn der Liebste, genauso todmüde wie man selbst, sagt: „Nimm dir ein Buch, setz dich hin, ich mach das Abendessen.“ Oder wenn einer die Kinder einpackt und einen Ausflug macht, obwohl doch der andere mit Kinderhüten dran wäre. Neurobiologen haben herausgefunden, dass das Belohnungszentrum im Gehirn anspringt, wenn wir anderen Menschen etwas geben können. Deshalb fühlt Liebe sich nicht dann am besten an, wenn man den größtmöglichen Profit aus ihr zieht. Sondern wenn man sie freigebig gibt. Einfach so, ohne Strichliste.

Zur Internetseite:

http://www.brigitte.de/liebe

Ärgern, aber richtig: Wie man Zugbegleiter zur Weißglut bringt

Posted By on September 15, 2014

Um es vorwegzunehmen: Die Bahn ist ein wunderbares Verkehrsmittel, und die Deutsche Bahn ist viel besser als ihr Ruf. Sind Sie jeden Tag pünktlich? Also! Und die Bahn fährt täglich 25.000 Personenzüge in Deutschland.

Undifferenziertes Bahn-Bashing ist total out, seine tarifpolitischen Spielchen auf dem Rücken der Fahrgäste austragen allerdings auch. Für Warnstreiks, mit denen das wahrlich nicht fürstlich entlohnte Zugpersonal mehr Geld und verträglichere Arbeitszeiten durchsetzen will, könnte man Reste von Verständnis aufbringen – für Arbeitsniederlungen, weil sich die Gewerkschaften einen Machtkampf liefern jedoch ganz sicher nicht.

Und um ein Kräftemessen der Gewerkschaften geht es in diesem Tarifkonflikt. Deshalb stundenlang in stehenden Zügen sitzen und gar Zugausfälle hinnehmen müssen, ist ärgerlich. Also ärgern wir zurück. Aber richtig. Denn ein erfahrener Eisenbahner, den die Streiks aufregen, gibt dafür Tipps.

Sag mir, auf welcher Seite Du stehst

Beim ersten Kontakt geht man das Zugpersonal gleich ganz direkt an: “In welcher Gewerkschaft sind Sie eigentlich? Bei der EVG oder gar in dieser GDL?” Das an sich ist schon eine Frechheit, und ein Bahner, der unvorsichtigerweise darauf antwortet, hat sofort verloren.

Outet er sich als einer von der Lokführergewerkschaft GDL, nennen Sie ihn einen Streikhansel, der sein Lohnplus auf Ihrem Rücken erkämpft. Was ja stimmt. Sagt er EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) können Sie ihn als Flaumacher verspotten, der sich mit dem Bahnvorstand angeblich ins Bett legt. Entsprechend geschmacklose Karikaturen verbreitet die GDL derzeit.

Hält sich der Bahner hingegen klug zurück, haben Sie immerhin Konfliktbereitschaft gepaart mit einer gesunden Portion Halbwissen bewiesen – wer weiß schon von EVG und GDL und ihrem internen Zwist. Die erste Provokation dürfte gelungen sein. Blöd ist, wenn Sie an einen der wenigen Beamten geraten, die nicht streiken dürfen. Dem müssten Sie eigentlich um den Hals fallen.

Nur noch rasch ein Dessert bestellen

Die 1. Klasse ist für Bahnkunden schön, für Bahnmitarbeiter ist es der Dienst dort nicht. Unter anderem, weil es da den Service am Platz gibt. “Am schlimmsten bei diesem Job sind nachträgliche Essensbestellungen”, verrät unser Bahn-Informant. Die Zugbegleiter müssen sich neben allen anderen Aufgaben mit vollen Tabletts von der “Bordküche” durch die Gänge quälen und Kellner spielen.

“Wenn dann ein ganzes Abteil versorgt und damit bedient ist und einer dann doch noch einen Nachtisch will, ist das echt kein Vergnügen.” Denn dann geht die Rennerei wieder los – für ein Schälchen Kompott. Und es warten noch so viele andere Abteile mit ungeduldigen Menschen, die versorgt werden wollen.

Tummelfeld für Nicklichkeiten

Dasselbe Spielchen können wir in der 1. Klasse mit den Zeitungen spielen. Die Bahn bietet dort mehrere Blätter an. “Wir haben zu Beginn meist zehn Zeitungen über dem Arm hängen. Das ist irgendwann richtig schwer, sie den ganzen Tag durch die Gänge zu schleppen”, sagte der Bahner.

Soll der Ärger gelingen, sucht man sich natürlich die Zeitung aus, die es da an diesem Tag gibt, die unser Zugbegleiter aber just in diesem Moment nicht dabei hat. Für seine Premiumkunden wird er nach einem Exemplar auf die Suche gehen.

Zugegeben, das ist gemein. Aber denken Sie an den dreisten Tarifpoker, der rein gar nichts mit besseren Bedingungen für die hart arbeitenden Bahner zu tun hat. EVG und GDL fordern in dieser Tarifrunde nämlich nahezu identische Verbesserungen.

Sie fahren gar nicht 1. Klasse? Egal, ab in einen der schönen Waggons mit den bequemen Sitzen und der Beinfreiheit. Sie sind natürlich nicht so dumm, sich zu setzen, gar ihr Gepäck mitzuschleppen. Nur ein bisschen dort rumstehen, reden, gucken und Premiumatmosphäre genießen. Eigentlich müsste Sie das Zugpersonal zum Gehen auffordern – weil 1.-Klasse-Kunden ja dafür bezahlt haben, komfortabler zu reisen und dabei nicht beguckt werden wollen. Aber das macht kein Bahner gerne. Auch wenn es korrekt ist, kommt das vielen im Zugpersonal kleinlich vor.

Das Ganze kann man noch steigern, wenn man sich bei proppenvollen Zügen frech mit seinem zweitklassigen Ticket in die 1. Klasse setzt. Am besten mit Kind und vorwurfsvollem “Ich-habe-einen-Platz-gekauft”-Blick. Was zweifellos dreist ist. Es kostet das Zugpersonal dann wirklich Überwindung, Sie des Platzes zu verweisen.

“Die Fahrkarten, bitte”

Die Ticketkontrolle naht. Wir haben natürlich nicht bei der Bahn unsere Fahrkarte gekauft, sondern auf einem Onlineportal, L’Tur oder so. Und wir können die E-Mail vorweisen, wonach wir das entsprechende Ticket erworben und bezahlt haben. Nur das Ticket selbst nicht.

Das Zugpersonal ist nun mit der Tatsache konfrontiert, dass Sie nachweislich einen gültigen Fahrschein erworben haben, den aber nicht vorzeigen können.

“Man glaubt gar nicht, wie oft das passiert. Die Leute denken, eine E-Mail-Bestätigung genüge und sei identisch mit einem Ticket. Die anschließende Diskussion mit dem Fahrgast darüber, dass das nicht reicht, ist meist sehr unangenehm”, gesteht unser Bahner. Grundsätzlich ist er im Recht, aber Sie sind der Kunde.

Das Zugpersonal soll Kunden zufriedenstellen, der Kontrollierende wird also versuchen, eine Lösung zu finden. Meist kassiert er Sie dann aber doch noch mal ab. Wenn Sie das nicht wollen, zaubern Sie doch noch irgendwo den Ausdruck des eigentlichen Tickets hervor. Echt übel.

Die Nummer mit der Onlinefalle

Diese Fiesheit funktioniert auch sehr gut beim Onlineticket oder mit Kindern. Beim Onlineticket gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich bei der Kontrolle auszuweisen. Seltsamerweise haben unzählige Fahrgäste immer genau das Dokument, das dafür nötig wäre, nicht zur Hand.

Zugbegleiter sind schrottgenervt, dutzende Mal am Tag die Diskussion zu führen: “Aber sie müssen sich mit dem x oder y legitimieren”, während Sie erklären, den geforderten Perso oder die Kreditkarte nicht dabei zu haben. Am Ende taucht sie natürlich auf.

Die lieben Kleinen – und das Länderticket

Unerquicklich fürs Personal sind außerdem mitreisende Kinder, wenn die nicht auf dem Ticket der Eltern eingetragen sind. Kinder müssen bis zu einer bestimmten Altersgruppe im Fernverkehr der Bahn nichts zahlen, wenn sie mit einem Erziehungsberechtigten reisen. Fehlt auf dem elterlichen Ticket der Hinweis, dass ein Kind mitfährt, ist es ohne gültigen Fahrschein. Der Zugbegleiter muss nun mit Ihnen diskutieren, dass Ihr Kind schwarz fährt und nachzahlen soll, obwohl es kostenlos reist.

Debatten darüber fürchten Zugbegleiter – obwohl sie im Recht sind. Darüber gehen Sie jedoch hinweg, indem Sie den Bahner an seinen Ermessensspielraum erinnern: “Sie könnten ja, Sie wollen nur nicht …” Dieser Spielraum ist eng, aber es gibt ihn.

Für ordentlich Verwirrung kann man derweil im Regionalverkehr bei der Ticketkontrolle mit dem Länderticket sorgen. Auf dem können bekanntlich mehrere Personen fahren. Naht die Kontrolle erklären wir, dass “bei mir mehrere Leute mitfahren”. Nur: Der “Atze is gerade uff Klo”, “die Elfi sucht den Getränkeautomaten” und “Kevin macht mal wieder uff verschollen”. Aber “er hat was Rotes an”.

Der Zugbegleiter kann sich dann die Reisegruppe zusammensuchen, was äußerst unbeliebt ist. Und das hat in der Zeitnot des Personals ihren Hauptgrund.

Zeit ist auch für Bahner Geld

Vor allem im Fernverkehr seht das Zugpersonal ständig unter Zeitdruck. Die Bahner müssen binnen einer bestimmten Frist einen Wagen “abgearbeitet” haben, dazu gehören vor allem die Kontrollen. Unerkannte Informanten, sogenannten Mystery Customer, halten fest, ob der Zeitplan stimmt.

Ist ein Zugbegleiter zu langsam, kann ihn das im schlimmsten Fall neben einer Rüge Teile seiner flexiblen Zulage kosten. Wer das Zugpersonal also ärgern will, lässt sich mit allem so richtig Zeit. Obergemein. Aber will man das eigentlich? Mal ehrlich: Die nervigsten Typen im Zug sind doch fast immer Mitreisende.

“Krieg ich meinen Anschlusszug?”

Aufgrund des Zeitmangels ist auch bei Verspätungen die Frage “erreiche ich meinen Anschlusszug”, gefürchtet beim Zugpersonal. “Kaum fragt einer, kommen gleich vier andere auch noch an. Das wirkt ansteckend”, stöhnt unser Informant.

Nun ist es absolut verständlich, dass Kunden wissen wollen, ob sie pünktlich weiterkommen, doch die Bahner hören Fragen wie diese hundertmal am Tag und verfügen nur über geringe Mittel, das befriedigend rauszubekommen. In aller Regel öffnen sie an ihrem mobilen Gerät ein Programm wie den DB Navigator, der auf jedem guten Smartphone ist.

Die Variante des Zugpersonals hat wenig umfassendere Informationen als wir, er kann kaum einen Bahnkunden in kurzer Zeit zufriedenzustellen. Dann noch den Zugbegleiter bestürmen, der Anschlusszug solle doch bitten warten, steigert den Nervfaktor noch mal deutlich. Denn anders als man denkt, haben Zugbegleiter darauf so gut wie keinen Einfluss.

Ob beispielsweise ein Regionalexpress auf einen verspäteten ICE wartet, hängt nicht von einer imaginären “Rangfolge” der Züge ab oder dem Einsatz “meines Zugchefs”, sondern vom Verkehrsvertrag, den der Besteller des RE, das Bundesland oder der jeweilige Verbund, mit der Bahn abgeschlossen hat. Normalkunden das zu erklären, ersparen sich nahezu alle Bahner lieber.

Es läuft nicht rund mit den Rädern

Sie haben sich derweil entschlossen, das schöne Sommerwochenende mit einer Radtour zu verbringen, die in der Regionalbahn beginnt. “Radmitnahme eingeschränkt möglich”, steht im Fahrplan. Wann die Radabteile dann Samstagvormittag endgültig rappelvoll sind, liegt im Auge des Betrachters. Für die, die schon drinsitzen, geht nichts mehr. Die, die noch rein wollen, sehen noch “jede Menge Platz”.

Das Zugpersonal, das über unzählige Räder stolpert, muss schlichten – ein sich stets an lauen Wochenenden, vor allem in den Großstädten wiederholendes und zermürbendes Prozedere für Bahnmitarbeiter. Selbstredend vertreten wir unsere Position mit Nachdruck.

Wem das nicht reicht, der nervt die Zugbegleiter in den ICEs mit dem Kalauer, doch endlich mal auch hier sein Rad mitnehmen zu wollen. Was zum Glück weiterhin untersagt ist. Stellen Sie sich einen übervollen ICE Freitagnachmittag vor und ein paar dieser militanten Radler, die ihre Gerät am liebsten noch ins Bordrestaurant schleppen würden.

Heiße Sache, prima Klima

Auch sehr beliebt: Stören Sie sich einfach mal an der Temperatur in Ihrem ICE-Großraumabteil. Und bitten den Zugbegleiter, zu kühlen oder einzuheizen. Möglichst gut hörbar. “Denn kaum haben das andere Fahrgäste gehört, ist auch denen schlagartig zu heiß oder kalt. Und sie wollen, dass das abgestellt wird”, verrät unser Bahner.

Vermutlich geht es den Leuten schlicht auch darum, sich nicht von einem anderen Reisenden die Raumtemperatur vorgeben zu lassen. “Wenn man da einem Wunsch nachkommt, kann man ganz schnell 50 Mal rennen, und am Ende sind doch alle unzufrieden”, stöhnt der DB-Mitarbeiter.

Ein einziger Espresso für eine ganz Gruppe

Sie haben also mehrmals eine Korrektur der Raumtemperatur gefordert und ziehen nach Erreichen dieses Ziels ins Bordrestaurant, Quartett spielen oder eine Landkarte ausbreiten. Essen wollen Sie da natürlich nicht. Aber so dumm, dort Ihr Pausenbrot auszupacken, sind Sie auch nicht. Die Bordgastronomen beobachten zunehmend, dass Fahrgäste das Restaurant als eine Art Pausenraum mit mehr Platz sehen.

Den gibt es allerdings nur, wenn man etwas verzehrt. Die Bordrestaurants und das Personal müssen Umsatz machen, also wird es Sie vertreiben müssen, wenn nichts bestellt wird. Das an sich ist schon unangenehm genug, da viele Kunden erstaunlich hartnäckig ohne Speis’ und Trank sitzen bleiben.

Sie sind noch tückischer und halten sich als Gruppe an einem Espresso und einem Wasser fest – dann ist der Bordgastronom machtlos. Blöd für ihn, denn die Restaurants verdienen sowieso schon kein Geld, genau wie die Nacht- oder Autozüge. Wäre die Bahn jene kalte Gewinnmaschine, als die man sie immer wieder darstellt, hätte sie die Bordrestaurants sowie Auto- und Nachtzüge längst allesamt abgeschafft.

Her mit dem Formular, hier und jetzt

Wie die Zeit vergeht im Restaurant – und die Verspätung unseres Zuges ist enorm. Sie suchen das Zugpersonal und verlangen nachdrücklich das Verspätungsformular, um Entschädigung fordern zu können. Das gibt es natürlich auch am Service-Point, aber sicher ist sicher.

Nur: Oft haben die Zugbegleiter beim Durchgang nicht genug Exemplare dabei, sie müssen es holen gehen. Stress pur, wenn mit steigender Verspätung ein Ansturm auf die Formulare einsetzt. Und Sie lassen sich mit dem Hinweis auf den Service-Point nicht vertrösten.

Die Schweiz und der Börsengang

Zuletzt gehen wir den Bahnern mit dem Vergleich der Bahn in der Schweiz, diesem angeblichen Schienenwunderland, noch mal gehörig auf die Nerven. Erstens hinkt der Vergleich dieses Bahnzwergstaates mit dem großflächigen Netz in Deutschland. Zweitens kann das Zugpersonal nun wirklich nichts dafür, dass bei den Eidgenossen manches besser läuft.

Am Ende sorgt ein trotziger Verweis, manches wäre hier besser “ohne eure Börsenpläne” für vollendete Verstimmung. “Börsengang” – immer noch ein Reizwort für das Gros des Zugpersonals, das von dem ehrgeizigen Vorhaben bei Verwirklichung wirklich nichts gehabt hätte.

 

Adresse der Quelle:

www.welt.de/reise/article131933151/